In der Projektwoche zur NS-Zeit haben drei 10. Klassen an drei Tagen die Gedenkstätte Bergen-Belsen besucht. Für uns, die Klassen 10a und 10e, begann dieser Tag schon Wochen vorher, nämlich mit dem Tonziegelprojekt „Wir schreiben eure Namen“.
Namen statt Nummern
Im Vorfeld haben wir 30 Tonziegel gestaltet. Jeder trägt den Namen, das Geburtsdatum und das Sterbedatum eines sowjetischen Kriegsgefangenen, der im Lager Bergen-Belsen ums Leben kam.
Wir wollten nicht nur Namen in Ton ritzen, sondern auch wissen, wer diese Menschen waren. Deshalb haben wir in historischen Dokumenten und Ausweispapieren nach Spuren ihres Lebens gesucht. Begleitet hat uns dabei Bildungsreferent Coskun Tözen.
Möglich wurde das Projekt durch die Zusammenarbeit mit dem Volksbund und der Stiftung Gedenken und Frieden.
Ein stiller Moment im Kreis
Unser erster Weg führte zum Friedhof der sowjetischen Kriegsgefangenen. Hier liegen Tausende sowjetische Kriegsgefangene begraben, die im Lager Bergen-Belsen an Hunger, Kälte und Seuchen starben. Ein Denkmal zeigt eine trauernde Frau. Es steht für all die Familien, die nie erfahren haben, was aus ihren Söhnen, Männern und Vätern geworden ist.

Herr Andreas Thamm von der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen leitete die Zeremonie. Wir stellten uns im Kreis um eine runde Bank. Bevor wir begannen, sagte Herr Thamm, dass der Name eines Verstorbenen vielleicht heute zum letzten Mal ausgesprochen werde.
Dieser Satz ließ uns nicht mehr los. Nacheinander lasen wir die Namen laut vor. Dann legten wir jeden Ziegel mit einer Rose auf die Bank. Es war ganz still, und jeder von uns spürte, wie viel dieser kleine Moment bedeutete.

Spuren auf dem Lagergelände
Anschließend fuhren wir zurück zur Gedenkstätte. Herr Thamm und seine Kollegin Frau Sabine Victor führten uns über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers.
Heute wachsen dort Bäume und Heide und auf den ersten Blick wirkt der Ort fast friedlich. Umso erschütternder waren die Massengräber, in denen jeweils Tausende Menschen liegen. Zwischen den vielen Gedenksteinen fanden wir auch den Stein für Anne Frank und ihre Schwester Margot.
Unsere Referenten schlugen immer wieder die Brücke zur Gegenwart. So wurde uns klar, dass Erinnerung keine Pflichtübung ist. Sie ist eine Aufgabe für heute.
Geschichte, die ein Gesicht bekommt
Zum Abschluss besuchten wir die Dauerausstellung. Videos mit Zeitzeugen, Fotos und persönliche Gegenstände erzählen dort von einzelnen Menschen und ihren Schicksalen. Hier wurde besonders deutlich, dass hinter jeder Zahl ein Leben steht.
Was bleibt
Mit unseren Tonziegeln haben wir 30 Menschen ihren Namen zurückgegeben, zumindest für einen Augenblick. Wir nehmen von diesem Tag mit, wie wichtig es ist, die Opfer nicht zu vergessen. Ebenso wichtig ist es, wachsam zu bleiben, wenn Menschen heute ausgegrenzt werden.
Unser herzlicher Dank gilt Herrn Thamm und Frau Victor von der AG Bergen-Belsen, Herrn Tözen sowie dem Volksbund und der Stiftung Gedenken und Frieden.
